Die Kindheitsforschung zeigt, dass heute für immer mehr Kinder eine gesonderte Lebensphase „Kindheit“ als Raum für eine entwicklungs- und altersgemäße Entfaltung nicht mehr existiert.
Nachfolgend sind einige Umstände im Ursache-Wirkungsschema aufgeführt, die die gesunde Entwicklung gefährden.
- Durch zunehmende Urbanisierung und Verhäuslichung, beengte Wohnverhältnisse und ungenügend bespielbare Flächen in der Nähe der Wohnung können sich Kinder kaum noch körperlich-räumlich entfalten.
- Eigene Gestaltungsmöglichkeiten reduzieren sich dadurch, ein Überangebot an Spielmaterialien und vollmöblierte Zimmer schränken Bewegungs- und Gestaltungsmöglichkeiten zusätzlich ein.
- Es gibt immer mehr Kinder mit körperlichen Entwicklungsstörungen wie Haltungsschäden, Übergewicht, schwaches Herz-Kreislaussystem, muskuläre Schwächen und Koordinationsstörungen bei Bewegungsabläufen, besonders Störungen des Gleichgewichtsinns. Die Zahl der Unfälle, die auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind, steigt.
- Fehlende Spielgefährten und Geschwister und eine Verinselung der Lebensbereiche reduzieren spontane Spielmöglichkeiten. Kindheit wird mehr und mehr institutionalisiert und pädagogisiert, die Anforderungen und Erwartungen an das oft einzige Kind steigen.
- Auch das Gegenstück, die komplette Vernachlässigung durch die Eltern und die soziale Verwahrlosung der Kinder, die Abgabe der Erziehungsarbeit an die pädagogischen Einrichtungen nimmt immer mehr zu.
- Die Folgen der Anpassung an die Erwartungen der Erwachsenen und der „Übererziehung“ oder der zunehmenden Gleichgültigkeit zeigen sich in vermehrten sozialen Problemen, psychischen und psychosomatischen Erkrankungen.
- Kinder brauchen Zeit, kindliche Tätigkeiten sind oft geprägt von Muße, Versunkenheit und Langsamkeit. In unserer heutigen durchterminierten Welt kann oft keine Rücksicht darauf genommen werden, die Kinder müssen oft gegen ihren eigenen Rhythmus handeln.
- Durch immer komplexere Technologien wird es schwieriger Sinnzusammenhänge zu erkennen. Für Kinder ist konkret sinnliches Begreifen sehr wichtig, doch die heutige materielle Welt ist so nicht mehr zu erfahren. Es kommt zur Kindheit aus zweiter Hand, die weite Welt wird symbolisiert in Bildern, Geschichten und Bildschirmen.
- Gleichzeitig erleben viele Kinder eine Reizüberflutung durch den Einfluss der Medien. Dies bedeutet eine Überforderung der Fernsinne wie Hören und Sehen und eine Vernachlässigung der Nahsinne wie Schmecken, Fühlen, Tasten und Riechen. Außerdem sind Kinder immer öfter überfordert von der ständigen Überschüttung mit Eindrücken, sie reagieren mit Unruhe, Ängsten und ziellosen Aktivitäten. In Studien veröffentlich von Hr. Prof. Dr. Spitzer wurden diese Folgeerscheinungen von zu frühem und zu intensivem Bildschirmkontakten auf die Gehirnentwicklung der Kinder und die Folgeerscheinungen eindrücklich dokumentiert.
Die Welt hat sich für Kinder (und Erwachsene) entscheidend verändert.