Gerade das Leben in der Natur bietet eine Fülle von intensiven und nachhaltigen Sinnesanreizen. Der Frühling wird erst in Relation zum Winter so richtig fassbar. Der Winter ist still, starr, arm an Farben und Gerüchen. Frühling bedeutet die Explosion der Farben, Geräusche, Düfte. Die Kinder nehmen diesen Rhythmus der Natur und die vielfältigen, komplexen Abläufe mit allen Sinnen gleichzeitig wahr. Die Natur liefert originales Erleben und nicht mühsam rekonstruierte einzelne Sinneseindrücke und Erklärungen. Das im Kind gespeichert Potential der Sinne wird bewahrt und sensibilisiert:
- Die differenzierte Wahrnehmung des Auges wird deutlich, wenn z. B. im Frühjahr allmählich tauender Schnee, keimendes Leben, eine Vielzahl von verschiedenen Grüntönen und Blattformen zu erkennen sind.
- Das Riechen und Schmecken der verschiedenen Kräuter und Beeren, der frischen Walderde oder des Baumharzes verfeinert Geruchs- und Geschmackssinn.
- Der weiche Boden, raue Baumrinde, glatte Steine, aber auch Wind, Kälte, Nässe und die Wärme der Sonnenstrahlen werden gespürt, fallende Regentropfen und schmelzende Schneeflocken auf der Hand gefühlt.
- Die von Rauschen, Plätschern, Surren und Zwitschern unterbrochene Stille ist ausgesprochen wertvoll für die allgemeine Differenzierung des Hörens.
So ist die Begegnung mit der Schönheit, der Farben- und Formenvielfalt sowie mit der immer wiederkehrenden Lebendigkeit der Natur eine persönliche Bereicherung und in der heutigen Lebenssituation der Kinder von unschätzbarem Wert.
Durch das tägliche direkte Erleben gewinnen die Kinder grundsätzliche Einsichten in Sinn- und Sachzusammenhänge der natürlichen Umwelt und elementare, biologische Gesetzmäßigkeiten. Rhythmus und Wirkung der Jahreszeiten werden ihnen vertraut. Im täglichen Spiel erleben und erforschen sie die Natur, entdecken ihre Geheimnisse und stellen einen persönlichen Bezug zu ihr her. Das Kind hat die Möglichkeit sich als Teil des Ganzen zu erfahren.
Sie fühlen dabei, welchen unschätzbaren Wert der Wald für Menschen, Tiere und Pflanzen hat und lernen, behutsam mit Lebendigem umzugehen. Ihre Erlebnisse im Waldkindergarten führen sie zu Wertschätzung und Liebe für die natürliche Umwelt, wodurch sie auch später, im Erwachsenenalter, Verantwortung zum Schutz des Lebens übernehmen.
Der täglich praktizierte Umweltschutz prägt sich bei den Kindern nachhaltig ein. So wird unnötiger Müll vermieden und der Wald regelmäßig von Abfall befreit, wobei die Kinder viel über die Verrottungsdauer verschiedener Materialien erfahren. Die Kinder lernen, wie wichtig sauberes und genügend Wasser für alle Lebewesen ist, wenn sie beispielsweise die Auswirkungen eines trockenen Sommers miterleben. Die Tiere in der ausgetrockneten Pfütze müssen sterben, die Pflanzen werden dürr, der Waldboden staubig, der Borkenkäfer befällt Fichten, die dann gefällt werden müssen.
Auch die Veränderungen, die wir durch den Aufenthalt an einem Platz verursachen, werden den Kindern bewusst. An dem Sitzplatz kann das Moos nicht mehr wachsen und wenn man anfängt zu graben, werden die Wurzeln der Bäume verletzt, manche Pflanzen können nicht mehr weiter wachsen, wenn man etwas davon abreißt. Daraus entwickeln sich die wichtigen und einsichtigen Verhaltensregeln im Wald, die das rücksichtsvolle Umgehen mit Flora, Fauna und Mitmenschen beinhalten. Diese einzuhalten fordert von den Kindern erste Übernahme von Verantwortung für ihre direkte Umwelt.